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Ungleichheit als gesellschaftliches Ideal? Religiös anmutende Narrative und die Legitimation ökonomischer Ungleichheit im digital-neoliberalen Kapitalismus

Aktivität: Gespräch oder Vortrag › Vortrag

Beschreibung

Der Philosoph Frithjof Bergmann (1930-2021) kritisierte die nahezu religiöse Verehrung des modernen Lohnarbeitssystems durch Wirtschaft und Politik. Seine seit den späten 1970er Jahren entwickelten Thesen gewinnen im Kontext des heutigen, von digital-neoliberalen und libertären Strömungen geprägten Politikverständnisses an Brisanz: ökonomische Ungleichheit wird zunehmend zum gesellschaftlichen Ideal stilisiert. Dieser Beitrag untersucht kritisch, wie politische Glaubenssätze des digital-neoliberalen Kapitalismus – wie bspw. das Dogma der „Nullsummen“ (Amlinger/Nachtwey 2025) oder gesellschaftliche Liberalität als „Antichrist“ (Douthat/Thiel 2025) – zur Legitimation von Ungleichheit als gesellschaftliches Ideal im politischen Diskurs genutzt werden.

Im Gegensatz zum angenommenen „normativen Ideal der Gleichheit“ (CfP) steht hier die normative Idealisierung der Ungleichheit im Zentrum. Analysiert werden die politischen Narrative und diskursiven Strategien, die Ungleichheit als zentrales gesellschaftliches Prinzip etablieren – und dabei auffällig an religiöse Erzählstrategien erinnern. Das leitende Anliegen Bergmanns war die Suche nach einer Neukonzeption des Verhältnisses von Freiheit und Arbeit zueinander (in Abgrenzung zu Marx‘ Entfremdungstheorie). In Auseinandersetzung mit Dostojewskis Aufzeichnungen aus dem Kellerloch fragt Frithjof Bergmann, wie aus Unfreien wieder Freie werden können. Diese Überlegungen dienen als Folie der kritischen Reflexion: Wie kann in einer Gesellschaft der Ungleichheit soziale Gerechtigkeit ermöglicht werden?

Dieser Beitrag übersetzt Bergmanns Überlegungen auf die durch das leitende normative Ideal gegenwärtiger Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik entstehenden Herausforderungen. Abschließend wird daher gefragt, inwiefern ein Neudenken des Arbeitsbegriffs – jenseits digital-neoliberaler Dogmen – Perspektiven für die Überwindung ökonomischer und sozialer Ungleichheit eröffnen kann. Der Beitrag plädiert dafür, Bergmanns aktivistische Impulse als Ausgangspunkt für eine an sozialer Gerechtigkeit, politischer Gleichheit sowie Freiheit vorgenommene normative Neuvermessung des Konzepts Arbeit heranzuziehen.
Zeitraum16 Sept. 2026
EreignistitelDoch nicht so gleich? Soziale Ungleichheit und das normative Ideal der Gleichheit
VeranstaltungstypKonferenz
OrtSchwerte, DeutschlandAuf Karte anzeigen
BekanntheitsgradInternational